Aus der Geschichte

Aus der Geschichte…(das Jahr 1960)

Das Amt des Königs zu bekleiden, erfordert nicht nur Idealismus, sondern auch persönliche, familiäre und vor allen Dingen finanzielle Opferbereitschaft. Das jemand aus reinem Zufall König wurde, war in den vergangenen Jahrhunderten eher selten der Fall. In der Regel war es eher so, dass der neue König einigen Eingeweihten, sprich dem Vorstand selbst, im Vorfeld bekannt war.

 Zudem war es in der Vergangenheit auch möglich, sich die Königswürde zu erkaufen. Erinnert sei hier an das Jahr 1796, als der neue König Prinz Georg, welcher während des Schießens noch in der Ferne weilte, den Königsschuss abgab. Wie bereits erläutert sind diese „Ungereimtheiten“ dadurch zu erklären, dass nicht wirklich jeder potenzielle Schützenkönig (Schütze) für das Amt des Königs in Frage kam.

Im Laufe der Jahre hat es sich als ungeschriebenes Gesetzt manifestiert, dass sich die einzelnen Kompanien mit der Stellung des Königs, von Schützenfest zu Schützenfest, abwechseln. So sollte es auch im Jahre 1960 gehandhabt werden. Nachdem die 4. sowie auch die 3. Kompanie einen König gestellt hatten, war nunmehr die 1. Kompanie an der Reihe. Der Name des Königs war auch in diesem Fall dem Vorstand schon bekannt. August Römer aus der Langen Strasse war für das Amt des neuen Königs vorgesehen.

Am Samstag, dem 23. Juli 1960 war es dann soweit. Das eigentliche, finale Königsschiessen sollte beginnen. Ewald Gerke II gibt den Scheibenwärtern das vereinbarte Zeichen. Schließlich sollte ja der „Richtige“ die Königswürde „erschiessen“ und die Scheiben mussten im richtigen Moment manipuliert werden. Anders sahen es hingegen die Schützenbrüder Erich Spitz und Christian Beneke aus der 4. Kompanie.

Trotz großer Proteste aus der 1. Kompanie, traten diese erneut zum Königsschießen an. Das Unvermeidliche bahnt sich an. Christian Beneke aus der 4. Kompanie schießt in 3 Anläufen insgesamt 36 Ringe. Am Schießstand kommt Verwirrung auf. Reell und auf „natürlichem“ Wege hatte dieses in der Geschichte der Schützengesellschaft noch kein Schütze geschossen.

Ein einmaliges Ergebnis! Kurzentschlossen nehmen die Schützenbrüder Christian Beneke auf ihre Schultern und präsentieren diesen anschliessend als neuen Schützenkönig des Jahres 1960.

Natürlich stieß dieses weder beim Vorstand, noch beim zuvor auserkorenen „König“ August Römer auf  Gegenliebe, geschweigedenn auf Verständniss. Nachvollziehbar ist dieses allemal, da bereits seitens der Familie Römer die Vorbereitugen auf das Amt des Königs angelaufen, um nicht zu sagen bereits  abgeschlossen, waren. Kleider waren gekauft, und auch das Königsfrühstück für den nächsten Tag war organisiert.

Nachdem sich die Wogen ein wenig geglättet und die Gemüter beruhigt hatten, arrangierte man sich letztenendes.

Die Umstände, durch die Christian Beneke zum neuen Schützenkönig ernannt wurde, sind sicherlich als unglücklich zu bezeichnen. Andererseits ist Christian Beneke für die Schützengesellschaft ein großer Gewinn, da er sich bereits in der Vergangeheit um die Schützengesellschaft verdient gemacht hat. Über Jahre hinweg hatte Christian Beneke später das Amt des Vorsitzenden inne.

Eine Lehre konnte die SG dennoch aus diesen Vorfällen ziehen.

Verwiesen sei hier auf einen Beschluss aus dem Jahre 1965, in welchem es dem besten Schützen „Karl-Hans Cys“ verwehrt wurde, das Amt des Königs anzutreten. Karl-Hans Cys war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 19 Jahre alt und gehörte zudem nicht der neuen Königskompanie, der 1. Kompanie, an.